Warum hat mein Arzt mir das nicht gesagt?

Seit nunmehr 10 Jahren gibt es meinen Blog, der vor ein paar Jahren von meinem YouTube Kanal übernommen wurde. Hier veröffentliche ich seit 2009 meine Erkenntnisse zum Thema Gesundheit und Ernährung: All das, was ich im Medizinstudium über Krankheitsentstehung lerne, aber auch all das, was ich aus Studien, Fachjournalen und Büchern diverser Ärzte zu diesen Themen zusammentragen kann. Hierbei kamen Dinge ans Tageslicht, die für viele Mediziner und Hausärzte erstaunlich sind und nicht mit dem übereinstimmen, was sie (vielleicht vor Jahren) im Studium gelernt haben. Die Krankheiten, für die Ärzte die meisten Medikamente verschreiben, sind größtenteils hausgemacht. Sie lassen sich durch Ernährungsumstellung häufig gravierend verbessern, wenn nicht sogar heilen. Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes, ein hoher Cholesterinspiegel, hohe Triglyceride müssen nicht sein. Ebenso deren Folgeerkrankungen wie Herzinfarkte, Schlaganfälle, PAVK (Periphere Arterielle Verschlusskrankheit = Schaufensterkrankheit) müssen nicht sein. Und auch die Krankheiten, die wiederum daraus resultieren können, müssen nicht sein wie Aortendissektion, Herzinsuffizienz, Ödeme (=Wasser in den Beinen/der Lunge).

Manchmal befinden sich Patienten noch ganz am Anfang dieser Krankheitsreise und bekommen von ihrem Hausarzt gesagt, dass sie hohen Blutdruck, einen hohen Cholesterinspiegel oder hohe Zuckerwerte haben. Der Hausarzt verschreibt ihnen dann sogleich Medikamente dagegen. Manche Patienten wollen aber nicht gerne Medikamente einnehmen, zumindest solange diese nicht „natürlich“ sind und fangen dann gelegentlich an, im Internet zu schauen, welche Therapiealternativen es gibt. Und dann finden sie MICH und meinen YouTube Kanal.

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Dort lehre ich eine fettarme, vollwertige, pflanzliche Ernährung zur Therapie oder wenigstens zur Unterstützung und zur Prävention von Zivilisationserkrankungen. Und dann tasten diese Patienten sich so langsam ran an das, was ich lehre. Nicht alle setzen ALLES um, was ich sage, aber die Dinge, die ihnen leichter erscheinen, integrieren sie schon häufiger in ihren Alltag. Und dann stellen sie fest, dass es tatsächlich stimmt! – Dass sie Gewicht verlieren, dass ihre Zuckerwerte besser werden, dass ihr Cholesterin und ihr Blutdruck sinken und der behandelnde Arzt ist dann auch gleich ganz erstaunt und freut sich für den Patienten, dass das Labor so gut aussieht.

Und dann schreibt mir der Patient unter eines meiner Videos:

Silke, warum hat mir mein Arzt das nicht gesagt?

Der heutige Blogbeitrag soll ein Versuch sein, zu erklären, warum Ärzte ihren Patienten häufig nicht das sagen, was ich in meinen Videos sage. Dabei soll auch erwähnt werden, dass es nicht daran liegt, dass die Pharmaindustrie allen Ärzten und Medizinstudenten das Gehirn wäscht, um ihre Medikamente zu verkaufen. Ärzte sind sehr wohl in der Lage, sich eine eigene Meinung zu bilden.

1.     Ärzte interessieren sich nicht sonderlich für Essen

Ich kann nicht genau festmachen, woran es liegt, aber die meisten Ärzte interessieren sich nicht sonderlich für Ernährung. Wenn sie es täten, hätten sie wahrscheinlich Ökotrophologie studiert und nicht Medizin. Mediziner interessieren sich für Geräte, für Moleküle, für Substanzklassen, für Chemie und Physik. Ärzte mögen komplexe Probleme, für deren Lösung man richtig viel Gehirnschmalz braucht. Obst, Gemüse, Getreide, Hülsenfrüchte und Nüsse zu essen, ist dann doch zu banal. Sie gehen gerne ins Detail und betrachten die Welt nicht holistisch, sondern erforschen den Mikrokosmos – je komplizierter, desto besser.

Natürlich kann man dieselbe kleinteilige Biochemie und Physiologie auch in Ernährungsfragen nutzen, aber das passiert in der Summe seltener als an Medikamenten und deren Wirkungsmechanismen zu forschen. Für viele Ärzte ist das Thema Ernährung daher sehr weit weg. Auch ihrer eigenen Ernährung schenken sie häufig nicht viel Beachtung. Das liegt daran, dass sie froh sein können, wenn sie im stressigen Klinikalltag überhaupt dazu kommen, etwas zu essen. Daher ist ihnen die Wichtigkeit einer optimalen Ernährung häufig einfach nicht bewusst und ist keine ihrer Prioritäten. Außerdem haben sie nicht unbedingt die Zeit, jede neue Studie in einem Fachjournal zu lesen und so erreichen neue Erkenntnisse, die nichts mit Pharmakologie zu tun haben, erst relativ spät den klinischen Alltag.

2.     Patienten hören es nicht gerne

Es passiert schon sehr häufig, dass Ärzte Patienten Ratschläge bezüglich ihres Lebensstils geben, aber kein Patient hört das gerne: „Sie sollten das Rauchen drangeben“ ist so ein Ratschlag. Oder auch „Sie müssen abnehmen“. So etwas hört kein Patient gerne und der Arzt spürt das. Sehr häufig macht er bei derartigen Ratschlägen die Erfahrung, dass sein Ratschlag nicht wertgeschätzt wird bzw. dass der Ratschlag einfach nicht angenommen wird. Oder das ist zumindest der Eindruck, den sie haben.

Nach 5 Jahren meiner Beschäftigung mit Essen als Sucht, ist es natürlich auch kein Wunder, wenn auf Ratschläge, eine Sucht aufzugeben, so reagiert wird. In dem Moment fühlt sich der Patient bedroht. Und zwar von jemandem, der ihm helfen will. Das führt zu sehr ambivalenten Reaktionen. Zudem gibt ihm der Arzt keinen Ratschlag WIE er die Abstinenz umsetzen soll. Zugegebenermaßen sind die meisten Ärzte dafür auch nicht zuständig. Dafür gibt es Ernährungsberater oder Entzugskliniken für Alkoholiker oder Nikotinsubstitutionsprogramme für Raucher. Die meisten Patienten haben schon versucht mit dem Rauchen aufzuhören und haben schon versucht abzunehmen, aber es ist ihnen nicht gelungen. Sie haben Angst, wieder zu scheitern und Angst vor den Konsequenzen: Angst aber ist kein besonders guter Motivator. Außerdem kümmert sich innerhalb unseres Gesundheitssystem niemand um Menschen, die nach legalen Drogen süchtig sind. Während Heroinabhängige in Methadonprogrammen super angebunden sind, liegen 70-80% aller Patienten im Krankenhaus dort nur wegen der Folgen vom Rauchen, Saufen und Fressen.

3.     Keine Zeit

Ein Hausarzt hat nicht besonders viel Zeit, insbesondere nicht für chronisch kranke Patienten und das sind die mit den ernährungsbedingten Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck, Adipositas, Hypercholesterinämie, Gicht und ähnlichem. Für einen chronisch kranken Patienten berechnen Hausärzte die sogenannte Chronikerpauschale, die nicht sehr hoch ist. Seitens der Krankenkassen wird dabei davon ausgegangen, dass dieser niedrige Beitrag ausreicht, weil der Chroniker ja „nur eingestellt“ werden muss. D.h. er holt sich alle 3 Monate seine Rezepte ab, für die der Arzt nicht mehr tun muss als diese zu unterschreiben. Ein ausführliches Aufklärungsgespräch über die Ursachen der chronischen Krankheiten zu führen sowie den Patienten anzuleiten, wie er Lebensstilveränderungen umsetzen könnte, daraufhin sich bessernde Werte zu monitoren und immer wieder die Medikation anzupassen, würde dem Arzt einen viel zu geringen Stundenlohn einbringen. Und zwar einen so schlechten Stundenlohn, dass er den Mindestlohn unterschreiten würde.

Ein niedergelassener Arzt ist ein Freiberufler und muss auch die Wirtschaftlichkeit seiner Praxis gewährleisten. In Anbetracht dessen, dass er auf so viel Widerwillen (oder Sucht) von Seiten der Patienten stößt und ihm dann seine Mühen weder vom Patienten noch von den Krankenkassen gedankt werden, entscheidet er sich dann für den scheinbar einfachsten Weg: Dem Patienten die Medis verschreiben.  – Dabei fällt mir ein: Die gesetzlichen Krankenkassen müssten wohl die ärztliche Prävention besser honorieren, um den Ärzten einen Anreiz zu schaffen, auch intensivere Gespräche mit den Patienten über Krankheitsentstehung und Therapie führen zu können. Und wahrscheinlich sollten sie auch Esssuchtprogramme honorieren! – (Keine Sorge, darum werde ich mich in Zukunft kümmern😉).

4.     Statusverlust

An apple a day keeps the doctor away ist einem Mediziner zu wenig. Vielleicht will er auch, dass das zu wenig ist, denn sein Status hängt in gewisser Hinsicht davon ab, etwas ganz Besonderes, Spezielles zu können und zu wissen. Etwas, das der Patient nicht weiß – ein Apfel darf nicht reichen. Im richtigen Leben reicht er natürlich auch nicht (es müssen schon Apfel, Brokkoli, eine Schale Haferflocken und ein paar Hülsenfrüchte pro Tag sein), aber die Idee stimmt. Die Wahrscheinlichkeit ist ausgesprochen gering, dass jemand, der sich gesund ernährt, einen Arzt braucht. Natürlich gibt es noch andere Krankheitsursachen unabhängig vom Essen wie Unfälle, Gene und schädliche Umweltfaktoren. Jedoch lassen sich die meisten Krankheiten auf das Essen sowie auf das Rauchen und Trinken zurückführen. Mediziner finden das geil, was auch Patienten geil finden: Wege zu finden, die Ursache nicht ausschalten zu müssen und dann dennoch die Symptome nicht wahrnehmen zu müssen.

So darf ein Patient weiter Salz und tierische Produkte essen, obwohl er Bluthochdruck hat; wir haben ja Medikamente, die dann trotzdem das Herz langsamer schalten können, so dass der Blutdruck sinkt. Sowohl Patienten als auch Ärzte wollen glauben, dass Krankheiten mit Medikamenten bekämpft werden, nicht mit der Beseitigung der Ursachen. Die Beseitigung der Ursachen ist vielen Medizinern zu popelig, nicht anspruchsvoll genug. Das Puzzle ist für sie zu leicht gelöst.

Man darf nicht vergessen: Viele Mediziner haben ein Abitur von 1.0. Sie gehören zu den Klügsten unserer Gesellschaft und dann sollen sie Patienten einfach nur sagen, dass sie aufhören müssen, bestimmte Nahrungsmittel zu essen? Das ist dann doch zu primitiv. Und weil es so primitiv ist, haben Mediziner kein großes Interesse an Ernährung (siehe Punkt 1), nicht an ihrer eigenen und auch nicht an der ihrer Patienten. Die meisten Mediziner kommen auch aus guten Elternhäusern gehobener Gesellschaftsschichten und sind demnach auch meistens selber gesünder und haben mehr Gesundheitsbildung als Patienten aus niedrigeren Einkommensschichten. Sie essen ausreichend gesund, um schlank und weitestgehend gesund zu bleiben. Das ist aber mehr auf gesunden Menschenverstand zurückzuführen und nicht auf ihre hohe Intelligenz. Somit ist Ernährung tendenziell eher ein Thema, dass Ärzte nicht interessiert.

5.     Aber man muss sich doch auch mal was gönnen!

Ich habe sowohl ein Pflegepraktikum als auch einen Teil meines PJs auf einer Herz-Kreislauf- und Diabetesstation abgeleistet. Die Ärzte dort wissen genau, wie man Diabetes mit Essen therapiert. Und sie machen es dort auch so wie ich. 

FÜR GENAU 3 TAGE!!!

Patienten, die geschult werden sollen, mit ihrem Diabetes besser umzugehen, bekommen dort 3 Tage lang eine fettarme, rein pflanzliche Kost. Die bekommen sie, damit ihre Insulinresistenz „geknackt werden“ kann. Die Patienten werden mit einem entgleisten Diabetes und einer Insulinresistenz eingewiesen. Das Insulin, das sie sich spritzen, wirkt bei ihnen nicht mehr ausreichend.  Wenn man diesen Patienten 3 Tage lang eine fettarme, pflanzliche Ernährung gibt, geht ihre Insulinresistenz so weit zurück, dass die Medikamente wieder wirken! – Juhu! – Damit ist die ärztliche Aufgabe erfüllt.

Ich unterstelle, dass keiner der Ärzte dort jemals daran gedacht hat, was passieren würde, wenn man den Patienten längerfristig so ernähren würde. Ich habe keine intensiven Gespräche mit ihnen darüber geführt, warum sie nicht in Betracht ziehen, dem Patienten nahe zu legen, sich doch dauerhaft so zu ernähren. Aber aufgrund ihrer Aussagen was meine YouTube Tätigkeit betrifft sowie den Nahrungsmitteln, die sie selber in der Mittagspause auf ihren Tellern haben, meine ich rausgehört zu haben, dass es doch nicht erstrebenswert ist, sich fettarm, vollwertig und pflanzlich zu ernähren. Dass es regelrecht unmöglich sei, sich immer so zu ernähren. Zugegebenermaßen ist das, was dort an den 3 Tagen serviert wird, nicht gerade eine kulinarische Krönung, aber die Rezepte im besten Kochbuch der Welt Gabel statt Skalpell sind es sehr wohl. Ärzte haben keine Vorstellung davon, wie abwechslungsreich eine fettarme, vollwertige, pflanzliche Ernährung sein kann.

Und so bleibt es dabei, dass weiterhin 40% aller Menschen an Herzkreislauferkrankungen sterben und jeder zehnte Diabetes hat.

Natürlich kann man nicht alle Ärzte über einen Kamm scheren und es ist auch nur teilweise ihre Schuld, wenn sie Patienten nicht darauf hinweisen, was mit Ernährung bewirkt werden könnte. Mir bleibt die Hoffnung, dass sich das in Zukunft bessert. Ich habe im Verlauf meines Studiums nicht nur einen Medizinstudenten veganisiert 😉. Wenn dann noch der Klimawandel hinzukommt und die Antibiotikaresistenz, checkt es vielleicht irgendwann auch der letzte Arzt, dass Medikamente keine Lösung sind für Krankheiten, die man sich angefressen hat. Und dass der Körper enorme Fähigkeiten zur Selbstheilung hat, vorausgesetzt man bietet ihm dafür die optimale Umgebung.

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