Bluthochdruck mit Ernährung senken

Bluthochdruck mit Ernährung senken

Bluthochdruck ist eine der häufigsten Erkrankungen in der westlichen Welt. Er ist der häufigste kardiovaskuläre Risikofaktor und damit der Risikofaktor für einen Herzinfarkt, den die meisten Menschen aufweisen. Er betrifft ca. 50% der erwachsenen Bevölkerung. Übergewichtige sind sogar zu 75% von Bluthochdruck betroffen. (Quelle: Amboss)

Offizielle Empfehlungen in Deutschland für unter Bluthochdruck Leidende sind folgende Lebensstil-Veränderungen:

  • Salz reduzieren
  • Alkohol reduzieren
  • Mediterrane Ernährung (was auch immer darunter zu verstehen ist)
  • Rauchstopp
  • Sport
  • Gewichtsreduktion
  • sowie das regelmäßige, selbstständige Messen und dokumentieren des Blutdrucks durch den Patienten

Erst wenn diese Maßnahmen nicht zielführend sind, ist eine medikamentöse Behandlung der Patienten angeraten, da Medikamente natürlich Nebenwirkungen haben. Blutdrucksenker gehören allerdings zu den am häufigsten verschriebenen Medikamenten überhaupt!

In den USA hingegen spricht man gezielt von der DASH-Ernährung, um seinen Blutdruck zu senken. DASH steht hier für Dietary Approach to Stop Hypertension, also diätetische Herangehensweise, um Bluthochdruck zu stoppen.

Die DASH-Ernährung konzentriert sich auf Obst, Gemüse, Vollkorngetreide und fettarme tierische Produkte.

Sie wurde kreiert, als Wissenschaftlern auffiel, dass Bluthochdruck wesentlich seltener bei Vegetariern und Veganern anzutreffen ist als bei Fleischessern. (1)

Daher betont die DASH-Ernährung Obst, Gemüse, Vollkorn und Bohnen sowie fettarme tierische Produkte, z.B. Hühnchen und Fisch und es soll wenig Salz, Zucker und gesättigtes Fett gegessen werden:

Das könnte man „mediterran“ nennen, wenn man mag…

Federführend bei der Entwicklung der DASH-Ernährung ist ein Arzt namens Dr. Frank Sacks. Er ist Kardiologe an der Harvard Medical School (2) und dort spezialisiert auf die Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dr. Sacks war es, dem aufgrund der Studienlage aufgefallen ist, dass Vegetarier und Veganer häufig niedrigere Blutdrücke haben und der sich überlegt hat, wie man die Vorzüge, die Veganer und Vegetarier genießen, auf Omnivore übertragen könnte. Sacks hatte schon vor mehr als 40 Jahren den niedrigen Blutdruck von Vegetariern als Forschungsthema und festgestellt, dass tierische Nahrungsmittel signifikant mit hohem Blutdruck assoziiert sind. (3) Faktisch weiß man aber schon seit fast hundert Jahren, dass Fleischesser höhere Blutdrücke haben als Vegetarier und dass der Blutdruck von Vegetariern rapide ansteigt, wenn man ihnen mehrere Tage in Folge Fleisch als Nahrung gibt. (4)

Warum enthält die DASH-Ernährung also Fleisch?

Sacks erklärt in seiner Grundlagenerklärung zum Design der DASH-Ernährung, dass fettarm lebende Veganer die niedrigsten Blutdruckwerte hätten, fettreich essende Vegetarier mittlere Blutdruckwerte und Omnivore die höchsten. Die DASH-Ernährung enthalte daher aus folgendem Grund tierische Produkte:

„Based on early studies of lower blood pressure in vegetarians, “the diet design goals were to create patterns that would have the blood pressure lowering benefits of a vegetarian diet, yet contain enough animal products to make them palatable to non-vegetarians”.(5)

Sacks hat hier also einfach angenommen, dass dem Patienten das Essen nicht schmecken würde, wenn er alle tierischen Produkte streichen würde. Deshalb seien in der DASH-Ernährung weiterhin tierische Produkte enthalten und nicht, weil sie irgendeinen gesundheitlichen Vorteil haben. Tatsächlich sind die gesundheitlichen Nachteile weiter vorhanden, nur in geringerem Maße, weil die Menge der tierischen Produkte gesenkt wurde.

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich finde es schade, wenn so über den Kopf des Patienten hinweg entschieden wird. Damit will ich sagen, dass eine korrekte Aufklärung des Patienten erfordern würde, dass man ihm mitteilt, dass eine rein pflanzliche Ernährungsweise die Effektivste in der Behandlung von Bluthochdruck ist und dass der Erfolg der Ernährungsumstellung linear damit zusammenhängt wie wenig tierische Produkte der Patient zu sich nimmt. 

Die DASH-Ernährung scheint den Sachverhalt so darzulegen, dass man ruhig täglich etwas Fleisch essen könne. Damit bleibt aber leider auch die regelmäßige Lust auf Fleisch. (Siehe mein Video Fleisch macht süchtig: https://www.youtube.com/watch?v=GAG422jxXOw)

Viel besser fände ich die Herangehensweise, die Ernährung „schmackhafter“ zu machen, indem man Fleischersatz- und Milchersatzprodukte verwendet. Geschmacklich sind diese häufig nicht mehr allzu sehr von echten tierischen Produkten zu unterschieden. Und zu Bluthochdruck tragen sie trotzdem nicht bei.

Zudem scheint Sacks zu vergessen, dass Geschmacksknospen nur wenige Tage alt werden. Ca. 10-12 Tage umfasst das Leben einer Geschmackszelle. Das bedeutet, dass der Geschmack sich in ca. 2 Wochen komplett umstellen kann.

Wenn man die zuvor „schmackhaften“ Nahrungsmittel nicht mehr isst, schmecken plötzlich auch andere Sachen gut. Nach 2 Wochen Fleischabstinenz schmecken dem Fleischliebhaber dann plötzlich auch pflanzliche Produkte, die er zuvor zugunsten von Fleisch links liegen ließ. Bill Clinton schildert das gerne sehr nachdrücklich. (https://www.youtube.com/watch?v=caX0tvWmxyg)

Clinton hat seine Ernährung nach dem Vorbild von Dr. Dean Ornish umgestellt, nachdem er 2004 einen vierfachen Bypass bekommen hat und 2010 erneut ins Krankenhaus eingeliefert wurde und dort 2 Stents eingesetzt bekommen hat. Obwohl er schon seit Jahren von Dr. Ornish‘ Ernährung wusste, hat er es erst nach dem Vorfall 2010 geschafft, endlich auf pflanzenbasierte Kost zu wechseln (wie gesagt: Fleisch macht süchtig). Seither erfreut er sich bester Gesundheit, auch wenn er in der ganzen Zeit nicht strikt vegan gelebt hat. – Aber eben in der MEISTEN Zeit.

Man sollte sich also darüber bewusst sein, dass man mit einer Ernährungsumstellung auf rein pflanzliche Kost die besten Resultate was den Blutdruck, aber auch den Cholesterinspiegel angeht, erzielen kann. Gelegentliche Ausnahmen an Feiertagen oder zu besonderen Anlässen verzeiht der Körper.

Wenn man aber, wie Sacks, gleich einen Ansatz wählt, der dem Patienten die Option auf eine rein pflanzliche Ernährung gar nicht erst unterbreitet, weil man selber davon ausgeht, dass es dem Patienten sowieso nicht schmecken wird, denke ich, tut man ihm Unrecht.

Das machen wir Mediziner leider viel zu oft, weil wir leider auch zu häufig auf Patienten treffen, die absolut nicht hören wollen, was wir ihnen alles zu sagen hätten.

Dr. Alan Goldhamer, Chef der True North Fastenklinik in Santa Rosa, Kalifornien, sagt gerne, dass nur 5% der Patienten bereit sind, die Botschaft zu hören und nach ihr zu handeln. Auf diese 5% müssten wir uns als Mediziner konzentrieren, denn die restlichen 95% zu versuchen zu erreichen, würde für uns frustran enden. 

Hier gilt es neue Lösungsansätze zu finden, um immer mehr Menschen zu erreichen und sie auf ihrem Weg in ein gesünderes Leben zu unterstützen. 

Quellen:

  1. Sacks, F. M., Appel, L., Moore, T. J., Obarzanek, E., Vollmer, W. M., Svetkey, L. P., … Karanja, N. (1999). A dietary approach to prevent hypertension: A review of the dietary approaches to stop hypertension (DASH) study. Clinical Cardiology22(7 SUPPL.). 
  2. https://www.hsph.harvard.edu/frank-sacks/
  3. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/4418801
  4. THE RELATION OF PROTEIN FOODS TO HYPERTENSION, Arthur Arthur N. Donaldson
  5. Sacks FM, Obarzanek E, Windhauser MM et al. Rationale and design of the Dietary Approaches to Stop Hypertension trial (DASH). A multicenter controlled-feeding study of dietary patterns to lower blood pressure. Ann Epidemiol. 1995;5:108–18. doi: 10.1016/1047-2797(95)00103-4

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