Bist du brotsüchtig?

Bist du brotsüchtig?

Eine Zuschauerin hat mich unter einem meiner „Was ich an einem Tag esse“-Videos gefragt, ob ich nie Brot essen würde und was es damit auf sich habe. Sie selbst sei übergewichtig und ob ich ihr raten würde, Brot zu meiden.

Tatsächlich esse ich Brot, aber nicht sehr oft. Ich stelle fest, dass ich von Brot mehr esse als ich essen würde, wenn ich meine Stärke aus Reis, Kartoffeln oder Hülsenfrüchten beziehe. Brot nutze ich dann, wenn ich halbwegs gesund und schnell und vegan satt werden will. So zum Beispiel auf der Arbeit oder unterwegs. Beim Bäcker bekommt man ein günstiges, veganes, vollwertiges Brötchen und es ist noch nicht einmal in Plastik verpackt!

Aber wie gesagt, ich stelle fest, dass ich mit Brot mehr Kalorien zu mir nehme als mit Reis oder Kartoffeln und ich stelle auch fest, dass ich Brot auch essen kann, um „Spaß“ zu haben und nicht nur, um mich zu sättigen. Sprich: Ich habe nur Appetit und keinen Hunger. Brot funktioniert als Drogennahrung und das hat folgenden Grund:

Dir ist sicher bekannt, dass die meisten Getreide, aus denen Brot hergestellt wird, Gluten enthalten. Ein geringer Prozentsatz der Bevölkerung ist glutenintolerant und leidet unter einer Krankheit namens Zöliakie. Diese Menschen bekommen von glutenhaltigen Produkten Blähungen, krampfartige Bauchschmerzen und Durchfall und leiden sehr darunter. Gluten ist berühmt geworden, weil im Internet und in der Laienpresse verbreitet wurde, dass Gluten deshalb für jeden Menscheneine Substanz ist, die man lieber meiden sollte. – Das stimmt so natürlich nicht.

Was stimmt, ist, dass tatsächlich viele Leute eine zu große Affinität zu Brot haben, weil Gluten im Verdauungsprozess zu Exorphinen umgewandelt wird. Exorphine sind Morphine, die man von außen zuführt. Sie stehen den Endorphinen gegenüber, die der Körper selber synthetisiert. Trotz verschiedener Namen docken sowohl Endorphine als auch Exorphine an die selben Opioidrezeptoren an wie richtiges Morphin und vermitteln hier eine morphinähnliche Wirkung – wenn auch abgeschwächt. Morphin lindert emotionale und körperliche Schmerzen und es führt zu Darmträgheit.

Und so gibt es Menschen, deren bevorzugte Drogennahrung glutenhaltige Backwaren sind. Sei es Brot, dessen Wirkung noch relativ moderat ist oder Kuchen, wo sich Gluten mit endorphinausschüttendem Zucker und das Belohnungssystem stimulierendem Fett paart.

Ich habe meiner Zuschauerin also dazu geraten, Brot zu meiden, wenn sie Gewicht verlieren will.

Doch Vorsicht: Häufig neigen wir dazu, wenn wir eine Substanz weglassen, von einer anderen mehr zu konsumieren. Deshalb wird in der Raus-aus-der-Lustfalle Challenge einfach alles weggelassen, was das Belohnungssystem übermäßig aktiviert. Viele Leute, die an sich selbst eine Brotsucht feststellen, folgen LowCarb-Diäten, bei denen sie reichlich Fett verzehren können, das dann anstelle der Gluten Exorphine ihr Belohnungssystem aktiviert. Und das ist selbstredend nicht die Lösung, weil LowCarb-Diäten gesundheitlich keinen Vorteil liefern.

Quellen:

M. Yoshikawa, M. Takahashi and S. Yang, “ Delta Opioid Peptides Derived from Plant Proteins”, Current Pharmaceutical Design (2003) 9: 1325. https://doi.org/10.2174/1381612033454838

Pruimboom L, de Punder K. The opioid effects of gluten exorphins: asymptomatic celiac disease. J Health Popul Nutr. 2015;33:24. Published 2015 Nov 24. doi:10.1186/s41043-015-0032-y

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2 Comments

  1. Silke Rosenbusch 18. Februar 2019 at 08:18

    50% alle Menschen in der westlichen Welt sind leider übergewichtig.
    Brot macht stark?;-)

  2. Marius 13. Februar 2019 at 10:10

    ich werd das gefühl nicht los, dass bei sucht immer übergewicht gemeint ist. viel essen ist doch gut. bei viel arbeit oder sport ist brot perfekt. super verdaulich und macht stark.

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