Süßigkeiten wirken wie Opiate

Süßigkeiten wirken wie Opiate. – Vorab:

Es gibt leider keine Medikamente, die einen davon abhalten zu essen. Im Verlauf der letzten Jahrzehnte kamen immer mal wieder welche auf den Markt. Sie wurden aber immer auch wieder verboten, weil sie zu starke Nebenwirkungen hatten. Teilweise sogar mit tödlichen Folgen.

Das hat Forscher aber nicht davon abgehalten immer mal wieder auch mit Medikamenten bei Esssüchtigen zu intervenieren. Zum Beispiel mit Naloxon, einem Medikament, welches die Opiatrezeptoren blockiert.

Opiate sind starke Schmerzmittel, Stubstanzen abgeleitet vom Morphin, welches in der Natur im Schlafmohn vorkommt. Morphine produziert der Körper aber auch selber, in Situationen, in welchem er Herausforderungen leichter ertragen können will. Vom Körper selbst hergestellte Morphine heißen Endorphine. Ein Kunstwort zusammengesetzt aus den Wörtern „endogen“ und „Morphin“, was so viel bedeutet wie selbsthergestelltes Morphin.

Endorphine bringt der Volksmund vor allem mit Sport in Verbindung. Besonders mit langanhaltendem Ausdauersport. Der Körper wird hier so stark belastet, dass er es für günstig hält die Belastung möglichst nicht spüren zu wollen. Endorphine wirken glücklich machend, schmerzstillend und steigern das Selbstbewusstsein.

Dummerweise werden sie aber nicht nur dann ausgeschüttet, wenn man Sport treibt, sondern auch wenn man Zucker isst, was zur betörenden Wirkung des Zuckers führt.

Naloxon blockiert also diese Opiatrezeptoren, so dass weder Morphine noch Endorphine wirken können. – Im klinischen Alltag wird es genutzt, um eine Überdosis von Morphin oder auch Heroin zu unterbinden.

In der Studie wurden 14 Frauen, welche sich selbst als Binge Eater bezeichnen 12 Frauen gegenübergestellt, welche keine Binge Eater waren. 8 der Binge Eaterinnen waren übergewichtig, die restlichen 6 Bulimikerinnen. 

Die Frauen sollten am Vortag 20 süße und fetthaltige Nahrungsmitteln nach deren Lustgewinn für sie beurteilen. Am Folgetag erhielten sie Naloxin intravenös und bekamen diese Nahrungsmittel vorgesetzt und durften sie essen.

Das Ergebnis war, dass die, die Naloxon bekamen diese Nahrungsmittel beim Verzehr unter Naloxon nicht mehr als so reizvoll und schmackhaft erlebten, wie sie sie am Vortag eingeschätzt hatten.

Das war bei den nicht-übergewichtigen Frauen in der Kontrollgruppe genauso. Die Binge Eaterinnen aßen mit Hilfe von Naloxon allerdings wesentlich weniger Kalorien. Die nicht-übergewichtigen Frauen, aßen die selbe Menge an Kalorien. Am stärkste zeigte sich dieser Effekt übrigens bei M&Ms, Snickers, Oreos und Chocolate Chip Cookies. Eher weniger zufällig findet sich in allen 4 Snacks Schokolade womit die meisten Frauen und erst recht übergewichtige Frauen ein Problem haben.

Man hat allerdings bereits versucht Naloxon als Abnehmdroge einzusetzten. Auf lange Sicht hat sich das aus 2 Gründen nicht rentiert: Die Patienten nahmen anders als erwartet nicht ab. Zudem schädigen Opiatantagonisten bei langfristiger Einnahme die Leber.

Das die Patienten nur mit Naloxon auf Dauer nicht abnahmen, könnte damit zusammenhängen, dass Endorphine nicht die einzigen Neurotransmitter sind, welche auf das Belohnungssystem wirken. Serotonin, Dopamin und GABA spielen hier ebenfalls eine Rolle.

Die Studie ist dennoch faszinierend, weil man sehen kann, dass hochkalorische Nahrungsmittel aufgenommen werden, um einen Opiateffekt zu erzielen. Suchtesser nutzen diesen häufig, um körperliche oder seelische Schmerzen zu beseitigen, dann Opiate wirken auf beides. Oder sie nutzen es, um ihr Selbstbewusstsein aufzumöbeln.

Aber wie gesagt. Es gibt kein Medikament, welches ein effektiver „Appetitzügler“ ist. Das liegt hauptsächlich daran, dass noch viele andere Substanzen, Hormone und Neurotransmitter daran beteiligt sind Sättigung zu signalisieren.

Daher ist die einzige Möglichkeit, die man hat, um wirklich nachhaltig abzunehmen seine Ernährung umzustellen, sein Belohnungssystem umzugewöhnen und echte Nahrungsmittel mit niedriger Kaloriendichte zu essen. Diese Maßnahme ist regelrecht alternativlos, denn die Alternative ist Krankheit, Übergewicht, Schmerzen und ein vorzeitiger Tod.

Man muss eine Ernährungsumstellung nicht von heute auf Morgen durchziehen. Aber man kann es sich auch nicht leisten gar nicht an seiner Ernährung zu arbeiten. Die Folgen könnten tödlich sein.

Quelle: Taste responses and preferences for sweet high-fat foods: Evidence for opioid involvement. Physiology & Behavior, ISSN: 0031-9384, Vol: 51, Issue: 2, Page: 371-379, 1992 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/1313591

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